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Die kleine Kurzgeschichte

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1 Larnaka Strand

Fabienne und Jacqueline Lehmann sind nach Zypern geflogen und haben uns einen Bericht der "besonderen Art" mitgebracht.

Beide waren auf der Insel unterwegs um sich das ein oder andere anzusehen und haben dann auch das Argos Tierheim besuchen können. Auf dem Rückflug über Hamburg haben sie dann 6 unserer Hunde begleitet.

Manchmal verläuft so eine Reise nicht ganz "reibungslos" und ist begleitet von kleinen Pleiten, Pech und Pannen...

Trotz der ein oder anderen "Schwierigkeit" werden die beiden Schwestern natürlich wieder Flugpatinnen sein, denn sie haben sich nicht abschrecken lassen!

Die Familie Lehmann ist zeitgleich auch Pflegestelle und Steffen Lehmann, der Vater der beiden, ist für uns auch schon geflogen, um den Hunden aus Zypern zu helfen - mehr Informationen zum Thema Flugpate sein finden Sie auf -dieser Seite klick-


 

 

 

 


  "Heitere Gelassenheit"




Auf Zypern als Reiseziel kommen meine Schwester, Fabienne, und ich tatsächlich erst durch Hundeliebe Grenzenlos. Nachdem wir die Internetseite lange verfolgt haben und auch drei Pflegehunde bei uns aufnehmen durften, sind wir neugierig geworden. Wir nehmen mit Jutta Schlotfeldt Kontakt auf und diese organisiert uns unsere Rückflüge, damit wir zwei Boxen mit Hunden und jeder eine Tasche mit in die Kabine nehmen und so ein paar Fellnasen zu ihren Familien oder Pflegestellen nach Hamburg bringen können.

In unserem Wochenkalender stehen unter hübschen Bildern Lebensweisheiten. Diese Woche sollen wir lernen, Momente und Gegebenheiten zu akzeptieren und wieder loszulassen. Meine Interpretation lautet: Heitere Gelassenheit. Sie wird das Motto unseres Urlaubs.

Losfliegen wollen wir von Berlin. Wir sind selbst Berliner, es gibt eine günstige Direktverbindung, das passt alles perfekt – denken wir. Unser Flug nach Larnaka soll Dienstag starten. Bereits in der Woche davor fängt das Bodenpersonal der Berliner Flughäfen an zu streiken, Freitag zu Samstag. Wir drücken uns selbst fest die Daumen. Montag wird wieder gestreikt. Unsere Daumen laufen schon blau an. Montagvormittag der große Schock: der Streik wird über den gesamten Dienstag ausgeweitet! Meine erste Handlung ist: Kontakt zur Fluggesellschaft aufnehmen, genauso wie es die Nachrichten empfehlen. Ich verbringe eine dreiviertel Stunde in der Warteschleife (am Ende ohne Ergebnis). Die Musik ist gut: „Happy“ von Pharrell Williams. „Because I’m Happy… lalala" Meine Heitere Gelassenheit bekommt leicht absurde Züge, als ich den Lautsprecher anstelle und durch das Wohnzimmer tanze.

Wir schaffen es irgendwie alles umzubuchen. Den eigentlichen Flug stornieren wir. Unsere schöne Direktverbindung tauschen wir ein gegen eine Bahnfahrt nach Hamburg, einen Flug von Hamburg nach Basel und einen weiteren von Basel nach Larnaka. Als wir die Tickets alle feinsäuberlich auf dem Tisch ausgebreitet haben, macht sich trügerische Ruhe in mir breit. „Jetzt haben wir ja ein bisschen Zeit.“ Meine Schwester schaut mich entgeistert an: „So kann man es auch sehen.“ In 3 Stunden müssen wir den Zug nach Hamburg nehmen, wir brauchen eine Stunde zum Hauptbahnhof, es ist noch nichts gepackt. Heitere Gelassenheit, in Zeitraffer.

Die Anreise funktioniert! Und das ist schon ein echter Erfolg für mich. Wir verbringen die Zeit von Mitternacht bis zum ersten Zug vom Hamburger Hauptbahnhof zum Flughafen im MCDonald‘s und essen mehr FastFood in diesen wenigen Stunden als sonst in mehreren Wochen. Irgendwann zwischendrin werden wir von einem jungen Mann angesprochen. Ob wir ihm nicht ein paar Britische Pfund in Euro tauschen können, er kann sich hier mit dem Geld ja sonst nichts zu essen kaufen. Machen wir. Schon allein um unser Karma zu unterstützen. Kann nicht schaden, bei dem Weg, den wir noch vor uns haben. Der erste Flug klappt, der Baseler Flughafen verwirrt uns allerdings ein bisschen. Der liegt nämlich in Frankreich und ist durch eine Glaswand einmal sauber geteilt in einen Schweizer und einen französischen Teil. Kurios. Jetzt klimpern neben den Britischen Pfund auch Schweizer Franken in unserer Tasche. Es ist „nur“ unsere Anreise, aber man könnte glatt behaupten, wir sind schon richtig rum gekommen.

Als wir in Larnaka ankommen, helfen uns die Informationen von Jutta Schlotfeldt, Christiane Block und Rüdiger Kratzsch enorm. Beide hatten sich vorab viel Zeit genommen, um uns auf den Job als Flugpaten vorzubereiten und uns auch Infos zum Flughafen und Larnaka gegeben. Wir finden einen Bus, der uns ins Zentrum fährt. Eine gute Verbindung, alle 20 bis alle 30 Minuten für nur 1,50€ pro Ticket. Besser als die BVG! Das klappt gut. Der Busfahrer ist trotz der späten Stunde ausgesprochen entspannt und freundlich und wäre auch gern bereit, uns direkt bei unserem Hotel abzusetzen. Leider kennt er es nicht und wir einigen uns auf die Haltestelle am Strand. Von dort finden wir dann zu Fuß auch tatsächlich schnell das Haus. Die Rezeption ist nicht mehr besetzt, aber dank früheren SMS mit unserem Vermieter, wissen wir, dass wir die Schlüssel in einem nahegelegenen Hotel bekommen. Auch das klappt. Bis jetzt hat uns die Heitere Gelassenheit gute Dienste erwiesen.

Als wir nach über 24h auf den Beinen endlich das Zimmer betreten, sind wir erstmal erschlagen. Das Zimmer ist ok. Alles da, was man braucht. Nur leider nicht besonders sauber. Und wenn man nach einem ICE, einem MCDonald’s, zwei Flugzeugen und einem Bus, nach Rennen mit Gepäck und Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen einfach nur eine Dusche genießen will, dann sind die kurzen, schwarzen Haare, die wir im Waschbecken sehen, eben doch entscheidend. Wir finden gleich im Anschluss heraus, dass das mit der Dusche sowieso gar nicht so einfach wäre. Man muss das heiße Wasser erst anstellen und dann mindestens eine Viertelstunde warten. Problem gelöst. So haben wir genug Zeit, um wenigstens grob mit einem feuchten Lappen über die Oberflächen zu wischen.

Nach einem Telefonat mit unseren Eltern, denen man die Erschöpfung deutlich anhört – sie haben den ganzen Tag mit uns mit gefiebert und uns die Daumen gedrückt, und der lang ersehnten Dusche, wagen wir uns noch einmal raus. Auf dem Tisch liegt ein Stadtplan, auf dem Stadtplan ein sichtbar benutzter Zahnstocher. Wir fassen beides mit einem Taschentuch an und werfen es in den Müll. Etwas zum Essen sollten wir auch so finden.

Als wir das Gebäude verlassen, finden wir erst einmal etwas anderes. Etwas, vor dem wir gewarnt wurden und dem wir mit ungutem Gefühl im Bauch entgegen geblickt haben: Straßenkatzen. Viele von ihnen. Abends kommen sie in die Straßen rund um die Promenade mit den vielen Restaurants und suchen Futter. Einige sehen eigentlich ganz gut aus, andere sind sichtbar krank. Sie alle sehen eher jung aus. Wie alt sie wohl auf der Straße überhaupt werden können? Mit einem fast schon schlechten Gewissen machen wir uns auf den Weg, unser eigenes Essen ganz bequem irgendwo zu kaufen. Dabei kreuzen sich unsere Wege mit einer älteren Dame. Sie scheint durch die Nebenstraßen zu ziehen und schaufelt Handvoll um Handvoll Katzentrockenfutter aus einer Einkaufstüte. Überall entlang der Straße versammeln sich die Katzen sichtlich hungrig und doch überraschend friedlich miteinander um kleine Häufchen Futter. Die ältere Dame nickt uns freundlich zu, streichelt eine Katze, schlurft weiter. Ein erhobener Zeigefinger für unsere innere Einstellung: niemals alle in einen Topf werfen, es gibt auch die Positivbeispiele!

Meine Meinung zu Larnaka aufzuschreiben fällt mir nicht leicht. Es ist keine besonders schöne Stadt, ganz auf den Tourismus ausgerichtet, die Menschen sind nett. Besonders das letzte bereitet mir Schwierigkeiten. Ich habe schon so viel gehört von ihrem Umgang mit Tieren, mit den vielen Hunden, dass es mir schwer fällt, diesen Eindruck mit den Menschen in Verbindung zu bringen, die breit lächelnd ehrlich bemüht scheinen, einem weiter zu helfen, wenn man sich mal verlaufen hat oder etwas nicht versteht. Wir können diese Diskrepanz in unserer Wahrnehmung weder verstehen noch lösen, deshalb ignorieren wir sie fürs erste. Heitere Gelassenheit, die Erkenntnis wird uns hoffentlich nach weiteren Überlegungen einholen.

Jetzt, wo wir hier sind, wollen wir auch sehr gern mehr über den Tierschutz vor Ort erfahren, von der zypriotischen Seite der Arbeit von Hundeliebe Grenzenlos. Wir haben die Handynummer von Susi Peros, wollen ihr sowieso schreiben, weil wir sie ja am Sonntag treffen für die Flugpatenschaft. Und doch zögern wir, ihr zu schreiben, alles ganz vorsichtig zu formulieren. Wir wollen uns auf keinen Fall aufdrängen, ihr irgendwie mehr Arbeit machen. Nachdem die erste SMS abgeschickt ist und wir das erste Mal telefonieren, stellt sich unsere Sorge als vollkommen unbegründet heraus. Susi ist ein unglaublich warmherziger Mensch, der sich, trotz scheinbar Hundert Informationen zu den bevorstehenden Aufgaben im Kopf, die Zeit nimmt, uns Touristentipps zu geben. Sie hat auch gleich einen Plan parat, wie sie uns zum Argos, einem Tierheim in der Nähe von Larnaka, mitnehmen könnte. Da muss sie am Donnerstag hin, um Boxen für die Flüge abzuholen, und wenn wir sie an einem bestimmten Fish’n‘Chips Shop treffen, nimmt sie uns gern mit. Eine SMS mit ausführlicher Beschreibung unseres Weges folgt und wir starten Donnerstag mit einem guten Gefühl.

Da wir ein Stück aus Larnaka raus müssen mit dem Bus (wieder Linie 425, andere Richtung), planen wir mehr Zeit ein als eigentlich nötig und machen uns mittags auf den Weg. Susi hatte uns den Namen eines Cafés und des Fish’n’Chips Shops genannt, den wir fein säuberlich auf einen A4-Zettel geschrieben haben. Der Busfahrer kennt leider keins von beidem. Immer wieder fragt er nach dem Namen eines Hotels, die würde er alle kennen. Wir sind die einzigen Fahrgäste, er wird deutlich frustriert. Der Ort und gleichzeitig die Hauptstraße des Ortes, zu dem wir wollen, heißt Dhekelia. Als seine Frustration nach einer Viertelstunde in reine Genervtheit umgeschlagen ist, schmeißt er uns irgendwo an der besagten Straße raus und deutet auf irgendein Café. Natürlich sind wir vollkommen falsch. Eine nette Frau im nächsten Souvenirgeschäft weiß sofort, wo wir hin wollen. Und lacht uns herzlich aus. Bis dahin müssten wir mindestens 2,5 Stunden zu Fuß laufen. Wir bräuchten ein Taxi – oder einen Bus! Ach ne… Also stellen wir uns wieder an die Straße und halten in der nächsten halben Stunde konsequent jeden einzelnen Bus an, der uns entgegen kommt. Diese Busfahrer sind auch eigentlich sehr nett, nur helfen können sie uns nicht. Wir brauchen einen Bus 425, also genau den, in dem wir schon einmal saßen. Zum Glück haben wir so viel Zeit eingeplant, dass wir es uns leisten können, auf den nächsten Bus zu warten. Es fängt an zu regnen, wir haben Regenjacken dabei. Heitere Gelassenheit - und ein Hoch auf die Voraussicht.

Wir schaffen es tatsächlich pünktlich zum Treffpunkt. Der zweite Busfahrer der Linie 425 ist freundlich, hilfsbereit und weiß ganz genau, wo wir hin wollen. Susi winkt uns vom Parkplatz aus zu, zur Begrüßung werden wir herzlich umarmt. In den nächsten 10 bis 15 Minuten Autorfahrt zum Argos fasst sie ihre Arbeit mit den Hunden in der bisherigen Woche zusammen, eine Fast-Katastrophe mit einem Vergiftungsvorfall mit einer Hündin und deren Welpen, die sie eigentlich schon hätte holen sollen und die jetzt noch in der Tierklinik behandelt werden müssen, eingeschlossen. Das Argos, erklärt sie uns, ist ihr Vorzeigetierheim, da kann sie zum einen wegen des günstigen Weges und zum anderen wegen des guten Eindrucks die Flugpaten mitnehmen, wenn sich diese einen ersten Eindruck machen wollen. Wir erreichen das Argos, von dem wir schon Bilder und Videos gesehen haben, und unser erster Eindruck: es ist klein. Kleiner als wir es erwartet hätten. Noch bei der Durchfahrt in die Anlage, bespricht Susi schon Details der Flüge und Transporte für das kommende Wochenende. Die Boxen sind teilweise riesig. Susi hatte eigentlich nicht vorgehabt, am Samstag direkt nach der Arbeit zum Flughafen zu fahren, aber nun wird sie es müssen. Das Auto der Argos Mitarbeiterin, Pat, die gern eingesprungen wäre, ist 5 cm zu klein. Niemand lässt sich beirren, alle lächeln weiter. Während Susi sich aus dem Lager die Boxen ins Auto lädt, führen uns zwei zeitweise drei Mitarbeiterinnen rum. Es gibt mehrere Zwingeranlagen für die Hunde, Ausläufe mit ein bisschen Gras und ein paar kleinen Büschen. In jedem Zwinger stehen Näpfe mit Wasser und Futter, überall liegt eine Decke oder Kissen und ein Spielzeug. In eine Zwingeranlage gehen wir rein, auf kleinen Tafeln stehen Namen und wichtige Details zu den Hunden. Das sieht alles gut aus, die Mitarbeiter sind freundlich und wie es scheint, wirklich sehr bemüht um die Hunde. Sie müssen bei keinem auf die Tafel schauen, um ihn mit Namen anzusprechen. Aber es sind viele, 107 Hunde im Moment erklärt uns eine Mitarbeiterin, und nochmal mindestens so viele Katzen. Das seien noch verhältnismäßig gute Zahlen. Wir können uns nur auf wenige Erfahrungen mit einigen Tierheimen in Deutschland beziehen, aber eins ist klar, die Dimensionen und Verhältnisse von Tieren, Platz, Mitteln und Mitarbeitern können nicht verglichen werden. Und dieser Eindruck zusammen mit dem Wissen, dass dies das Vorzeige-Tierheim ist, macht einem doch schon Angst vor den anderen Sheltern.

Susi zeigt uns dann noch ein Gebäude, in dem fertige Räume für eine kleine Tierarztpraxis warten. Auf einen Tierarzt, der bereit sein müsste, Selbstständigkeit für eine etwas schlechter bezahlte Anstellung beim Argos aufzugeben. Den gibt es scheinbar nicht. Und Tierärzte aus dem Ausland können hier nicht ohne Weiteres arbeiten. Eine Sackgasse, die umso mehr frustriert, als dass doch eigentlich alles vorbereitet ist und diese Praxis eine so große Erleichterung für die Arbeit der Tierschützer wäre. Auf dem Weg im Gebäude treffen wir eine kleine Hündin, die, wird uns erzählt, ist bei einer Mitarbeiterin Zuhause in Pflege und jetzt auch auf der Website zur Vermittlung veröffentlicht. Sie und ein weiterer Hund wurden über den Zaun des Argos direkt in den Freilauf der großen Hunde geschmissen. Der andere Hund hat nicht überlebt, tot gebissen. Die kleine Wuschelmaus wackelt zögerlich mit dem Schwanz, sie ist immer noch bereit, einen Schritt auf die Menschen zu zugehen.

Und spätestens hier stößt meine Heitere Gelassenheit an eine unüberwindbare Grenze. Ich hab so viel Wut und Trauer und Fassungslosigkeit in mir, ich könnte dran ersticken. Und das sind „nur“ Erfahrungen aus zweiter Hand, aus den Erzählungen der Tierschützer, die das Tag für Tag erleben, die immer wieder gegen die Windmühlen antreten, um einigen Fellnasen ein besseres Leben zu ermöglichen. Sehr gern würde ich denken, dass auch ich stark genug wäre, das für Wochen, Monate Jahre auszuhalten, aber sicher bin ich mir bei weitem nicht. Ich nehm meine Hände, mit denen ich am liebsten den ehemaligen Besitzer greifen und so lang schütteln würde, bis irgendwo dann doch noch ein versteckter Funke gesunden Menschenverstands und Mitgefühl auftaucht, und drücke der hübschen Maus ganz fest die Daumen, das in ganz naher Zukunft ein plüschiger Thron, Berge von Leckerlies und streichelnde Hände warten!

Die Rückfahrt in das Zentrum von Larnaka hält dann noch eine Überraschung für uns parat. 5 Minuten, nachdem Susi uns an einer Bushaltestelle abgesetzt hat, kommt ein Bus der Linie 425. Gefahren wird er von dem gleichen Busfahrer, der uns mitten in Dhekelia rausgeschmissen hatte. Wo die Strandpromenade Foinikoudes ist, weiß er ja zum Glück.

Am nächsten Tag fahren wir mit einem Bus zum Salzsee, der liegt nah am Flughafen und zu dem wollen wir am Mittag auch noch, weil unser Vater als Flugpate Freitag nach Larnaka kommt und Samstag nach Berlin fliegen wird. Wir laufen am See entlang zu der großen Moschee, wieder zurück und finden an der stark befahrenen Straße leider keine weitere Bushaltestelle, sodass wir uns zu Fuß immer entlang der Bundesstraße (oder Autobahn) auf machen in Richtung Flughafen. Das geht auch dank eines breiten Gehwegs ganz gut und nebenbei kann man Flamingos und Zitronenbäume voller leuchtender Früchte bewundern. Wir laufen ca. ein dreiviertel Stunde, als wir dann gerade freudestrahlend die Zufahrt zu den Parkplätzen des Flughafens betreten, kommt hupend ein Bus an uns vorbei gefahren, Linie 425. Wir schauen, schauen ein zweites Mal und brechen in lautes Lachen aus. Es ist „unser“ Busfahrer, der gleiche von unserer Dhekelia-Irrfahrt, der auch uns offensichtlich erkennt, denn er winkt aufgeregt und lächelt breit. Wenn das mal kein Zeichen ist. Am Flughafen angekommen haben wir noch viel Zeit und nutzen diese mit dem Lesen von Reiseführern. Plötzlich fängt Fabienne an zu kichern, kann gar nicht mehr aufhören. Irgendwann dreht sie ihr Buch um und deutet auf die Überschrift des Kapitels: Zypern ist die Insel der Heiteren Gelassenheit. Im ersten Moment bin ich zu verdutzt, um überhaupt zu reagieren, dann fange auch ich an zu kichern und schütte mir beinah den Kaffee über die Hose. Na dann, bin ich ja hier schon mal richtig. Irgendwie.

Als Papa ankommt, gelingt unsere Überraschung perfekt. Und auch wir werden im Gegenzug überrascht. Denn auch wenn es selbst mir selbst schwer fällt zu glauben, als wir an der Bushaltestelle stehen und mal wieder auf die Linie 425 warten, treffen wir unseren Busfahrer zum Vierten Mal! Und diesmal fängt er so stark an zu lachen, dass ich mir Sorgen, um den Bus und die Passagiere mache. Aber wir kommen gut in Larnaka an und ohne ihm in irgendeiner Weise zu nahe treten zu wollen, so hoffe ich doch inständig, ihn nicht wieder sehen zu müssen!

Den Freitagnachmittag und –abend versuchen wir, Papa eine Kurzusammenfassung von Larnaka zu präsentieren. Unter anderem gehen wir natürlich auch zu der Lazarus Kirche. Wir betreten sie nicht, denn es wird gerade Gottesdienst gehalten, doch die Türen sind teilweise verglast und man kann unauffällig reinschauen. Zwei Frauen kommen an uns vorbei, an der Tür greifen sie sich rote Tücher, die aussehen wie viel zu breite Schürzen und wickeln sie wie einen Rock um die Hüfte, die Jeans und Turnschuhe verschwinden und so bekleidet betreten sie die Kirche, in der schon Menschen auf den Treppen sitzen, weil es einfach zu voll ist. Es war natürlich nicht die Zeit und selbst wenn, hätte ich mich vermutlich nicht getraut zu fragen, aber es würde mich schon sehr interessieren, wie die Menschen ihre strenge Religiosität und das gleichzeitige Fehlen von Empathie zu anderen Lebewesen vereinen.

Am nächsten Tag bringen wir Papa zum Flughafen und treffen dort Susi und Pat wieder. Für Fabienne und mich ist es spannend und zugleich eine große Hilfe, den ganzen Prozess des Eincheckens, Boxen-Durchleuchtens und so weiter einmal als Zuschauer verfolgen zu können. Die Boxen werden gewogen, dann werden die Boardingpässe besorgt, die Heimtierausweise angeschaut, Kopien auf die Boxen geklebt, wichtige Details, wie beispielsweise Medizin weiter gegeben, Transportklebchen der Fluggesellschaft auf die Boxen geklebt, die Boxen bezahlt, die Hunde rausgenommen, die Boxen durchleuchtet, Hunde wieder rein, Wasser und Kabelbinder machen die Boxen dann reisefertig. Papa fliegt mit der Lufthansa über München nach Berlin, kommt spät abends an, um vier Fellnasen ihren glücklichen neuen Besitzern zu übergeben. Wir drücken ihm die Daumen und wünschen gute Reise an alle!

Auf dem Rückweg, Susi nimmt uns im Auto mit und lässt uns in Larnaka raus, bekommen wir noch ein paar Details für den nächsten Morgen. Wir fliegen um 5:40 Uhr, um 3:30 treffen wir uns mit ihr und Eleni am Flughafen. Da um diese Zeit keine Busse fahren (zumindest haben wir keine gefunden) haben wir über unsere Vermieter der Unterkunft ein Taxi zu um 3 bestellt. Eine gute Übung in Sachen Vertrauen und Heiterer Gelassenheit, wie ich finde. Ich suche zur Sicherheit noch zwei weitere Telefonnummern für Taxiservices raus.

Tatsächlich klappt am nächsten Morgen alles! Wir treffen Susi und Eleni und die Hunde pünktlich am Flughafen und das ganze Prozedere vom Vortag geht erneut los. Spannend für uns auch, weil in einer Box Amy sitzt. Eine Hündin, die wir direkt mit zu uns nach Berlin als Pflegehund nehmen werden.

Als alles geregelt ist, verabschieden wir uns und hoffen ehrlich, Susi bald wieder zu sehen!

Wir nehmen zwei Boxen mit auf unsere Reise über Athen und einen Hund mit in die Kabine, das ist eigentlich einer weniger, als gebucht war für den Flug, aber wie sich später herausstellen soll, sind wir sehr dankbar dafür! Dazu muss ich gleich ganz zu Anfang etwas sagen: auch wenn Lida unser erster „Flughund“ überhaupt ist, wir sind felsenfest überzeugt, dass sie der beste, coolste, geduldigste hündische Flugbegleiter überhaupt ist. Sie verschläft nicht nur brav einen großen Teil der Flugzeit, auch das Hin und Her von den zwei Sicherheitschecks in Larnaka und Athen macht sie anstandslos mit. Die hatten es zeitweilig in sich, zumindest für uns Flugpatenneulinge. Wir waren ja schon zu zweit. Fabienne war beladen mit unseren beiden Rucksäcken und den Jacken und ich hatte Lida, das heißt, es war schon mal einfacher, als für die meisten anderen Flugpaten. Aber dann halt trotzdem noch ziemlich tricky.

In Larnaka geht es damit los, das ich erst mal den Hund rausnehme, damit hatte ich ja schon gerechnet. Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Unschlüssigkeit des Beamten, ob die Leine ab muss und wenn die, dann auch Geschirr und Halsband? Ist ja zugegebenerweise kein großer Unterschied, alles Nylon mit ein bisschen Metall. Als er sich dann endlich entschieden hatte: Halsband und Leine ab, Geschirr ist ok, und die Tasche schon außerhalb unserer Reichweite war, kam der nächste Befehl: Schuhe aus. Ist klar. Schuhe aus. Ich hüpfe also auf jeweils einem Bein, mit Lida unter den linken Arm geklemmt, auf der Stelle und versuche mit der rechten Hand die Schnürsenkel der Wanderschuhe zu lösen. So viel Sport zum frühen Morgen bin ich nicht gewohnt. Und das war schon die einfache Variante, in der Fabienne meine Sachen im Blick hatte. Im Flugzeug sorge ich bei den Stewardessen für allgemeine Erheiterung, als ich, wie von Susi und Jutta Schlotfeldt aufgetragen, frage, ob die Hunde im Flugzeug sind. Eine von ihnen gibt sich noch nicht einmal Mühe, so zu tun, als würde sie mich nicht auslachen. Eine andere erklärt mir frech, was ich denn wolle, sie könne ja wohl schlecht nach unten gehen und nachschauen. Als ich ihr wiederum ihren Job erkläre und dass es irgendwo an Board, vermutlich beim Piloten, ein Dokument geben müsste, aus dem das hervorgeht, rümpft sie die Nase – und ignoriert mich für den Rest des Fluges.

In Athen haben wir eine Stunde, bis das nächste Gate aufmacht. Da wir noch nie in Athen waren, verlassen wir uns ganz auf die Vorabinfo von Rüdiger Kratzsch und kommen tatsächlich sehr schnell dort an, wo wir hin wollen: beim nächsten Sicherheitscheck. Der Beamte hier ist entweder noch nicht richtig wach oder einfach schlecht gelaunt. Er raunzt mich jedenfalls erstmal an, weil ich Lida, als ich mit Durchleuchten dran bin, einfach aus der Tasche hebe und mit ihr auf dem Arm weitergehen will. Hier muss diesmal alles ab, auch das Geschirr und dann soll Lida zurück in die Tasche. Wie bitte?! Ich stelle mich auf eine Diskussion ein und erkläre dem Mann, dass man den Hund doch nicht durch das Röntgengerät jagen kann. Ohne weitere Erklärung fordert er mich stur wieder auf, Lida in die Tasche zu setzen. Als er einsieht, dass ich bockiger sein kann als die Esel, die auf den griechischen Postkarten so gern abgebildet werden, sagt er in schlechtem Englisch, ich solle zuerst durch den Scan, dann zurück und mit dem Hund ein zweites Mal. Gut, das mach ich. Ich laufe durch den Scan, die beiden Beamten auf der anderen Seite sind zu sehr in ihren Tratsch vertieft, um meine Existenz überhaupt wahr zu nehmen. Ich drehe mich fragend zu dem Beamten um, er winkt mich zurück. Jetzt zurück, Lida aus der Tasche, er fragt ob ich Papiere für den Hund hab. Ja, in meinem Rucksack, bei meiner Schwester. Bevor er die jedoch verlangen kann, tippt mir die Beamtin von eben auf die Schulter, ihr ist aufgefallen, dass sie mich doch mal besser abtasten sollte. Lida in die Tasche, wieder durch, abtasten, zurück, Lida rausnehmen, mit Lida durch den Scan. Auf der anderen Seite sagt mir ein Beamter, ich solle den Hund aber wirklich nicht ohne Leine mit mir rumtragen, das sei nicht sicher. Wirklich jetzt?!

Auch Fabienne hat noch eine unschöne Begegnung, bei der es um Lida geht. Im Flugzeug, ich bin noch vorn und frag eine Stewardess, ob sie bitte prüfen könnte, dass die Boxen mit Hunden im Flugzeug sind, fängt unser Sitznachbar eine Diskussion mit Fabienne darüber an, warum sie die Tasche nicht hoch in die Gepäckablage über dem Sitz packt. Fabienne, unsere süße Optimistin, erklärt dem Mann, dass ein Hund in der (Stoff-) Tasche ist und denkt damit ist das Thema geklärt. Ist es aber nicht. Der Mann hat den Hund schon wahrgenommen, er versteht wirklich nicht, warum wir Lida nicht zwischen die Hartschalenkoffer in die Gepäckablage setzen. Für den Rest des Fluges ignoriert er uns. Das ist wahrscheinlich auch besser so, meine Heitere Gelassenheit hätte ich für diese Diskussion und nach diesem Tag nämlich liebend gern vergessen.

Aber wir schaffen alles, in Hamburg kommen die Boxen noch vor uns an der Seite der Gepäckbänder an und Michaela Kruse-Alpers steht sofort mit Wagen, Rat und Tat zur Seite. Die nächsten vielleicht 20 Minuten sind hektisch, aber dank früherer Pflegehunde halbwegs bekannt im Ablauf. Am Ende stehen wir mit Amy da, unsere neue Pflegefellnase. Und die ist super cool. Ohren nach vorn, Schwanz im eleganten Bogen geschwungen, verlässt sie den Flughafen und betrachtet mit huldvoller Erhabenheit ihr neues Königreich. Im Auto auf der Fahrt nach Berlin kuschelt sie sich irgendwann an, zeigt den Bauch zum Kraulen, lacht uns an.

Bei mir ist die Heitere Gelassenheit definitiv noch ein Projekt in Arbeit – Amy ist schon eine Meisterin!



  1 Drei Urlauber
   
 
   
   
 

Kommentare  

 
#3 beeindrucktSusanne Peros 2017-04-02 06:39
Es passiert nicht oft das ich Menschen begegne die mich sehr beeindrucken. Die Lehmann Schwestern sind junge Frauen die mit beiden Fuessen auf der Erde stehen. Probleme: Loesung wird gefunden. Da wird Hilfe gebraucht: dann packen wir mit an.
Jaqueline und Fabienne zeigten sehr grosses Interesse an der Arbeit hier und besuchten auch das grosse Argos Tierheim. Sehr oft hoere ich den Satz: nein,Tierheim ansehen tue ich mir nicht an. Fuer die Beiden war das gar keine Frage. Ich sage : Hut ab Maedels,schoen euch kennengelernt zu haben. Der Lehnann Familie ein danke,dafuer das Amy raus ist aus den Kaefig. LG Susi
 
 
#2 Hochachtung!!!Helga Wikinger 2017-03-31 12:44
Der Bericht, ist einfach nur schön!
Wir hier, aus weiter Ferne, können ja nur annähernd erahnen, was es bedeutet, diesen enormen Aufwand zu betreiben, damit einige Fellnasen endlich in eine glückliche Zukunft reisen können.
Ihr liebes Team von Hundeliebe grenzenlos u.vor Allem, die Tierschützer vor Ort, es ist so einfach hier mal eben Danke zu sagen, aber es kommt aus tiefstem Herzen u.Ueberzeugung!!!
Die Hunde vor Ort zu sehen u. Entscheidungen zu treffen, verlangt viel, viel Kraft. Nun habe ich mal einen Eindruck, wie mein eigener Hund in die Freiheit geflogen ist. Ich konnte wenigstens einer geschundene Hundeseele helfen, um endlich ein glückliches Hundeleben führen​ zu können. Darum an Alle, die hier lesen, wichtig sind unsere Spenden, denn sonst wäre dieses Alles nicht möglich u. noch mehr Fellnasen müssen weiter leiden!!! Wenn man seinen Hund am Flughafen abholt, ist man so sehr glücklich, seinen Hund in den Armen zu halten, nun weiss ich mal ungefähr, was davor alles notwendig war. Vielen Dank nochmals, für diesen aufschlussreichen Bericht!!!
 
 
#1 DANKE!!!!Birgit Dohmen 2017-03-31 10:29
Vielen Dank für diesen tollen Bericht! Man hat ja schon so ein ungefähres Gefühl wie viel Arbeit hinter dem Ganzen steckt, aber ehrlich gesagt: ich habe trotzdem nicht gedacht das es so viel Stress ist! Hut ab!
Ich bin immer sehr beeindruckt von dem Einsatz hier und vor allem auch auf Zypern, ich weiß, ich könnte es nicht. Und dabei MUSS es Menschen geben, die das alles durchstehen und ertragen! Ihr habt meine Hochachtung! Und allen, die stetig mithelfen, damit diese wundervollen Hunde zu uns kommen können: DANKE!
 

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