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Tierschutz in Nordmazedonien

Geschrieben von Angelika Oetker-Kast am .

Vikis Shelter, ein Ort der Sicherheit und Fürsorge für Hunde

Drei Jahre sind vergangen und ich bin zurück in Nordmazedonien, bei Viki im Shelter. Vieles hat sich verändert, doch die Herausforderungen sind geblieben.

Dieses Mal habe ich ein kleines Zimmer in Kavadarci gemietet. Von dort aus sind es nur knapp zehn Minuten mit dem Auto bis zu einem kleinen Parkplatz, von dem aus man noch etwa fünf Minuten zu Fuß bis zum Tierheim laufen muss.

Das Shelter liegt abgelegen zwischen Weinbergen, solange es trocken ist, ist der Zugang kein Problem, nach Regenfällen wird der Weg jedoch zur Herausforderung.

Dort angekommen, werde ich sofort von einer Gruppe freundlicher Vierbeiner begrüßt. Viele Hunde bewegen sich frei auf dem Gelände und sind entsprechend gut sozialisiert.

Viki, ihr Mann Alex und dessen Bruder Daniel bilden das Kernteam des Shelters. An den Wochenenden werden sie von ihren Kindern Steffi und Dime unterstützt. Ihr Alltag ist geprägt von harter Arbeit. Gehege und Freiflächen müssen gereinigt, Futter vorbereitet sowie kranke und verletzte Tiere versorgt werden. Hinzu kommen die zahlreichen Notfälle, die Viki täglich erreichen. Tierarztfahrten ins rund eine Stunde entfernte Skopje müssen organisiert werden, ebenso die umfangreichen administrativen Aufgaben rund um die Vermittlung der Hunde. Und etwa einmal im Monat fahren Daniel und Alex mehr als 4.000 Kilometer nach Deutschland und zurück, um vermittelte Hunde in ihr neues Zuhause zu bringen.

Es ist Mai, und die Bäume tragen ein sattes Grün. Seit meinem letzten Besuch hat Alex ein kleines Haus mit Küche gebaut, in dem das Futter für die Hunde vorbereitet wird. Gleichzeitig dient es der Familie als Aufenthaltsraum und Rückzugsort. Auch einige Hunde, die besondere Pflege benötigen, finden dort vorübergehend einen geschützten Platz.

An einem Abend sitzen wir gemeinsam dort, Alex hat gekocht, und wir unterhalten uns stundenlang, während draußen der Regen auf das Dach trommelt. Dabei liegt der Dejved den ganzen Abend auf meinem Schoß, ein kleiner Pinscher-Mischling, dessen Geschichte mich besonders berührt.

Dejveds Kampf für ein schmerzfreies Leben

Devjed wurde von Viki auf einem Autohof gefunden, wochenlang war er dort herumgestreunt und humpelte auffällig. Viki nahm ihn mit ins Tierheim und zum Tierarzt, um ihn untersuchen zu lassen.

Das Röntgenbild brachte die traurige Wahrheit ans Licht: Vermutlich war Dejved von einem Auto angefahren worden und hatte schwerste Verletzungen an beiden Hüften erlitten. Die Verletzungen müssen ihm unerträgliche Schmerzen bereitet haben.

Wer ihn heute erlebt, würde das kaum glauben. Dejved spielt mit den anderen Hunden, läuft über das Gelände und begegnet Menschen freundlich und neugierig. Gleichzeitig merkt man, dass er immer wieder Ruhepausen braucht und wohl auch noch Schmerzen hat. Dann zieht er sich zurück, legt sich ins Gras und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen.

Damit Dejved die Chance auf ein langes und schmerzfreies Leben bekommt, benötigt er eine Operation an beiden Hüften. Die Kosten dafür belaufen sich in Deutschland auf fast 4.000 Euro.

Mein größter Wunsch ist, dass wir diese Summe gemeinsam aufbringen können und Dejved ein Zuhause bei Menschen findet, die ihm die Zeit geben, sein Leben in seinem eigenen Tempo zu genießen. Ein kleiner Garten, ein sonniger Platz und liebevolle Menschen wären für ihn das größte Glück.

Ein Tierheim voller ganz besonderer Hunde

Neben Devjed leben rund 120 weitere Hunde im Shelter. Kleine und große, alte und junge – jeder von ihnen hat seine ganz eigene Geschichte. Meist sind es Geschichten voller Entbehrungen, Vernachlässigung und Leid. Oft frage ich mich, wie Hunde all das verarbeiten können, was Menschen ihnen angetan haben.

Trotz allem tragen sie keinen Groll in sich. Haben sie das Glück, bei Menschen wie Viki und ihrer Familie zu landen, fassen sie, mal schneller, mal langsamer, wieder Vertrauen und Zuversicht. Von dieser Fähigkeit könnten wir Menschen uns eine Scheibe abschneiden.

Sie kommen freundlich auf einen zu, manchmal stürmisch, manchmal vorsichtig und zurückhaltend, aber niemals aggressiv. Fotografieren wird dabei schnell zur Herausforderung, denn meist hat man sofort eine Traube liebenswerter Vierbeiner um sich, von denen jeder Aufmerksamkeit einfordert.

Besonders beeindruckt hat mich erneut die Atmosphäre im Shelter. Trotz der enormen Arbeitsbelastung nehmen sich Viki und ihre Familie Zeit für jeden einzelnen Hund. Es wird geschmust, gespielt und liebevoll gekümmert. Natürlich müssen manchmal Grenzen gesetzt werden, insbesondere bei Neuzugängen. Doch der Umgang bleibt stets respektvoll und freundlich.

Und genau das spürt man.

Die Realität außerhalb des Tierheims

Außerhalb des Shelters zeigt sich jedoch eine andere Seite Nordmazedoniens. Besonders aufgefallen sind mir dieses Mal die vielen, meist größeren, Straßenhunde, doch auch einige kleinere Tiere waren darunter. In den Städten findet man sie vor Geschäften schlafend, auf Bürgersteigen dösend oder auf Marktplätzen liegend. Sie gehören zum Stadtbild. Manche Menschen füttern sie, andere übersehen sie. Viele Hunde scheinen mit ihrem Leben auf der Straße zurechtzukommen, andere leiden sichtbar darunter.

Fast alle tragen eine Marke im Ohr. Das bedeutet, dass sie bereits eingefangen und im staatlichen Tierheim kastriert wurden. Werden sie innerhalb von etwa zwei Wochen nicht vermisst oder abgeholt, werden sie wieder auf die Straße zurückgebracht.

Das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung. Wenn die Tiere akzeptiert und versorgt werden, würden viele ihr freies Leben vermutlich nicht gegen ein Zuhause in Deutschland eintauschen wollen.

Nicht so Nica, eine kleine, zurückhaltende Hündin, der ich im örtlichen Tierheim begegne.

Nica und ihre zweite Chance

Das öffentliche Tierheim der Region wurde erst vor Kurzem neu gebaut und ist für neun Gemeinden rund um Kavadarci zuständig. Dennoch wirkt die Anlage auf mich sehr trostlos. Die Zwinger sind karg, als Schlafplatz dient lediglich eine Kunststoffpalette hinter einem Vorhang aus Plastik.

Marina, die Tierheimmitarbeiterin war sehr freundlich, da sie kein Englisch sprach, verständigten wir uns mithilfe des Google-Übersetzers. Auf diese Weise stellte sie mir jeden der 43 Hunde vor, darunter auch Nica. Die kleine Hündin traute sich zunächst nicht hinter ihrem Vorhang hervor. Als ich fragte, ob ich ihren Zwinger betreten dürfe, nickte Marina. Nach einiger Zeit fasste Nica Vertrauen und ließ sich vorsichtig streicheln.

Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Zwei Tage später besuchte ich sie erneut, diesmal durfte ich mit ihr spazieren gehen. Der Tierarzt, der gerade im Tierheim war und etwas Englisch sprach, erzählte mir, dass Nica bereits etwa acht oder neun Jahre alt sei. Nach ihrer Kastration sollte sie wieder auf die Straße zurückgebracht werden.

Natürlich möchte man am liebsten jeden Hund dort helfen. Doch manchmal berührt ein Schicksal ganz besonders und der kleinen Nica wünschte ich ein schönes Zuhause.

Ich erzählte Viki und unserer Vereinsvorsitzenden Frauke Neumann von ihr und fragte, ob sie eine Chance auf Vermittlung hätte. Nur wenige Tage später erhielt ich die Nachricht, die ich mir erhofft hatte: Frauke hatte tatsächlich ein Zuhause für Nica gefunden. Jetzt gilt es, sie aus dem örtlichen Tierheim zu holen und ihr die Reise in ein neues Leben zu ermöglichen.

Hilfe, die Leben verändert

Doch die Arbeit vor Ort hört nie auf. Ein paar Tage nach meinem Besuch im örtlichen Tierheim meldeten sich Mitarbeiter bei Viki. Sie hatten einen großen, völlig abgemagerten Hund dessen Zustand so schlecht war, dass er vermutlich keine Chance mehr gehabt hätte und eingeschläfert werden müsste, falls er keinen Ausweg finden würde. Also hat Viki ihn aus dem Tierheim zu sich geholt.

Genau deshalb sind Menschen wie Viki und ihre Familie von unschätzbarem Wert. Sie helfen dort, wo andere wegsehen. Sie geben Hoffnung, wo scheinbar keine mehr existiert. Sie schenken Hunden eine Zukunft, die sie sonst niemals gehabt hätten.

Doch diese Arbeit ist nur möglich, wenn ausreichend Unterstützung vorhanden ist. Futter, Medikamente, Tierarztkosten, Kastrationen und notwendige Operationen verursachen jeden Monat hohe Ausgaben.

Helfen Sie mit

Hunde wie Dejved, Nica und all die anderen brauchen unsere Hilfe.

Mit einer Spende oder Patenschaft unterstützen Sie nicht nur einzelne Tiere, sondern die gesamte Arbeit des Shelters. Sie ermöglichen medizinische Behandlungen, sichern die Versorgung der Hunde und schenken ihnen die Chance auf ein besseres Leben.

Jeder Beitrag – egal wie groß oder klein – macht einen Unterschied.

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass dieser kleine Ort der Hoffnung, Fürsorge und Liebe auch in Zukunft bestehen bleibt.

Bitte helfen Sie mit. Für Dejved. Für Nica. Für die rund 120 Hunde im Shelter. Und für all jene, die noch auf ihre zweite Chance warten.


Spendenkonto:

Nord-Ostsee Sparkasse

Stichwort: Vikis Shelter

IBAN: DE37 2175 0000 0186 0451 67
BIC   : NOLADE21NOS

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Fotos: Angelika Oetker-Kast

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