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„Ausgelastet oder einfach nur erschöpft? Was würde dein Hund wählen?“

Geschrieben von Hundeliebe-grenzenlos am .

Wie viel Bewegung braucht ein Hund eigentlich wirklich? Diese Frage wird gerade überall diskutiert – und oft scheint die Antwort zu lauten: je mehr, desto besser. Kilometer machen, joggen, Fahrrad fahren, Ball werfen, den Hund richtig „auspowern“.

Aber ist ein Hund wirklich zufrieden, nur weil er am Ende völlig erschöpft ist? Oder verwechseln wir körperliche Müdigkeit manchmal mit echter Auslastung? Vielleicht würde unser Hund, wenn er selbst entscheiden dürfte, gar nicht 15 Kilometer neben dem Fahrrad herlaufen. Vielleicht würde er viel lieber seine Nase einsetzen, eine Spur verfolgen, in aller Ruhe durch den Wald stöbern, gemeinsam mit uns etwas suchen, spielen oder einfach Zeit mit seinen Menschen verbringen. Denn die entscheidende Frage ist vielleicht nicht, wie müde wir unseren Hund bekommen – sondern wie zufrieden er danach ist.

Was würde der Hund selbst wählen?

Natürlich können wir einen Hund nicht direkt fragen. Aber wir können sein Verhalten beobachten. Und da wird es interessant.

Ein Hund würde vermutlich nicht in Kategorien denken wie: „Heute brauche ich 12 Kilometer.“

Sondern eher: „Da riecht es interessant. Was war das dort? Ich möchte dieser Spur folgen. Da bewegt sich etwas. Ich möchte mit meinem Menschen etwas machen. Jetzt brauche ich eine Pause.“

Für viele Hunde ist Information mindestens so wertvoll wie Strecke.

Ein Waldweg ist aus Hundesicht schließlich kein 3-km-Spaziergang. Er ist eine riesige Zeitung voller Gerüche: Wer war hier? Wie lange ist das her? Wo ist das Tier hingelaufen? Was hat sich verändert? Ist dieser Geruch wichtig?

Und genau deshalb kann ein Hund auf einem langsam zurückgelegten Kilometer unter Umständen sehr viel mehr „erleben“ als auf fünf Kilometern gleichförmigem Marsch.

Bewegung und Auslastung

Man könnte vielleicht drei Dinge voneinander unterscheiden: körperliche Bewegung, also Laufen, Wandern, Schwimmen, Radfahren, Rennen oder Klettern. Mentale Beschäftigung, also Suchen, Schnüffeln, Probleme lösen, Entscheidungen treffen, neue Umgebungen verarbeiten oder etwas lernen. Und schließlich soziale und emotionale Beschäftigung – gemeinsam etwas erleben, Aufmerksamkeit bekommen, mit seinem Menschen spielen, kommunizieren und Nähe und Sicherheit erfahren.

Ein guter Alltag muss dabei nicht jeden dieser Bereiche maximal ausreizen. Im Gegenteil: Ein Hund braucht nicht permanent Beschäftigung. Er braucht genauso die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, abzuschalten und einfach Hund zu sein.

Denn auch das gehört zu einem ausgeglichenen Hundeleben: nicht immer etwas tun zu müssen.

Und dann kommt der Ball …

Das ist tatsächlich ein gutes Beispiel dafür, warum „Der Hund rennt wie verrückt“ kein zuverlässiges Auslastungskriterium ist.

Ballwerfen kann für manche Hunde ein tolles Spiel sein. Aber bei manchen Hunden entsteht daraus eine sehr hohe Erregung: Ball sehen → Erwartung → Hetzen → Adrenalin → Ball zurück → sofort wieder Erwartung.

Der Hund läuft vielleicht zehn-, zwanzig- oder dreißigmal hinter einem Ball her. Und der Mensch denkt: „Wow, der ist jetzt richtig ausgepowert!“

Dabei kann der Hund innerlich noch hochgefahren sein.

Das sieht man manchmal ziemlich deutlich: Hecheln, Fiepen, Bellen, Fixieren, hektisches Verhalten, kaum ansprechbar sein, sofort wieder den Ball verlangen, nicht mehr schnüffeln, andere Hunde ignorieren oder sogar auf sie reagieren.

Dann ist die entscheidende Frage nicht: „Wie viel ist der Hund gelaufen?“

Sondern: „Wie ist der Hund danach?“

Kann er sich anschließend entspannt hinlegen? Schläft er zufrieden? Ist er weiterhin ansprechbar? Oder sucht er sofort den nächsten Kick?

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Schnüffeln ist etwas völlig anderes

Wenn ein Hund seine Nase einsetzen darf, passiert etwas anderes als beim stumpfen Hinterherlaufen. Er bekommt Informationen, verarbeitet sie, entscheidet, verfolgt möglicherweise eine Spur und löst gewissermaßen ein kleines Problem. Und vor allem: Der Hund darf dabei Hund sein.

Deshalb finde ich den Gedanken „Quality Time“ so schön. Vielleicht ist ein gemeinsamer Spaziergang nicht: „Ich muss meinen Hund jetzt 90 Minuten auslasten.“ Vielleicht ist es vielmehr: „Wir gehen gemeinsam raus und schauen, was die Welt heute zu erzählen hat.“

Mal laufen wir ein Stück, mal bleibt der Hund fünf Minuten an einem Grashalm stehen. Mal suchen wir gemeinsam einen Futterbeutel oder verstecken Leckerchen. Mal gehen wir ein Stück durch den Wald, mal spielen wir, mal üben wir etwas. Und manchmal passiert schlicht gar nichts.

Der Mensch muss nicht permanent Animateur sein.

Und vielleicht ist genau das der Denkfehler bei „Auslastung“

Wir haben bei Hunden teilweise eine seltsame Vorstellung entwickelt: Hund hat Energie → wir müssen Energie hinzufügen bzw. verbrennen.

Also: mehr laufen → mehr werfen → mehr rennen → mehr Fahrrad → mehr Beschäftigung.

Dabei kann das bei manchen Hunden sogar in eine Spirale führen: viel Action → hohe Erregung → scheinbar noch mehr Energie → noch mehr Action.

Und irgendwann hat man einen Hund, der hervorragend darin trainiert ist, hochzufahren, aber Schwierigkeiten damit hat, herunterzufahren.

Ein ausgeglichener Hund ist deshalb nicht unbedingt derjenige, der am Abend völlig erschöpft auf dem Boden liegt.

Vielleicht ist es eher der Hund, der nach seinem Spaziergang zufrieden Wasser trinkt, sich auf seinen Platz legt, seufzt und einschläft.

Vielleicht ist echte Auslastung also nicht das Ziel, einen Hund möglichst müde zu machen – sondern ihm das zu geben, was er braucht, um zufrieden und ausgeglichen zu sein.

Die entscheidende Frage

Die spannendere Frage wäre deshalb nicht: „Wie viele Kilometer braucht mein Hund?“ Sondern: „Was braucht genau dieser Hund, damit sein Leben für ihn interessant, befriedigend und gleichzeitig ruhig bleibt?“

Das kann bei einem jungen Jagdhund völlig anders aussehen als bei einem älteren Familienhund. Ein arbeitsfreudiger Hund braucht möglicherweise tatsächlich viel körperliche und mentale Beschäftigung. Ein anderer ist nach einer ausgiebigen Schnüffelrunde plus zehn Minuten Suchspiel glücklich.

Und auch 15 km Joggen können für einen Hund wunderbar sein, wenn er dafür körperlich geeignet ist, das Training passt und er daran Freude hat. Es ist nur nicht automatisch besser, weil es 15 Kilometer sind.

Dasselbe gilt fürs Radfahren. Und dasselbe gilt fürs Ballspielen.

Nicht die Aktivität an sich entscheidet, sondern das, was sie beim individuellen Hund bewirkt.

Vielleicht ist deshalb die beste Definition von Auslastung nicht „den Hund müde machen“, sondern: Dem Hund Gelegenheit geben, seine körperlichen, sozialen und geistigen Bedürfnisse auf eine Weise auszuleben, nach der er sich gut regulieren und entspannen kann.

Und dann wird aus „Gassi gehen“ tatsächlich etwas viel Schöneres:

Gemeinsam die Welt erkunden.

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